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26. Dezember 2022

Rezension zu "Die Kunst des Verschwindens" von Melanie Raabe

Gibt es das, eine Seelenverwandtschaft zwischen bislang Unbekannten? Ist es manchmal leichter, mit einer Fremden zu sprechen als mit den Menschen, die man schon lange kennt und liebt? Als die junge Fotografin Nico zufällig zwischen den Jahren der Schauspielerin Ellen Kirsch auf den nächtlichen, winterlichen Straßen Berlins begegnet, fühlt sie fast unmittelbar eine unheimliche Nähe, die sie sich nicht erklären kann. Was haben sie schon gemeinsam, der inzwischen weltberühmte Hollywoodstar und die noch um Anerkennung ringende Fotografin? Was sieht Ellen in ihr, was sie selbst nicht erkennen kann? Vor allem aber: Warum schert sich Nico darum, dass Ellen eines Tages einfach wieder aus ihrem Leben verschwindet? Und zwar so plötzlich, wie sie gekommen ist? Als Nico endlich begreift, warum sie nicht loslassen kann, macht sie sich auf die Suche – nicht nur nach Ellen, sondern auch nach ihrer Mutter und ihrer eigenen Geschichte.

Melanie Raabe ist vor allem für ihre spannenden Thriller bekannt. Dieser Roman ist im Gegensatz dazu ein bisschen anders. "Die Kunst des Verschwindens" ist übrigens das erste Buch, das ich von Melanie Raabe gelesen habe. Eins vorweg: Es hat mich direkt in den Bann gezogen. Ihr Sprachstil ist so schön bildhaft und die Charaktere wunderbar beschrieben. Auch wenn die ersten Kapitel ein wenig langatmig und zurückhaltend sind, konnte ich gut in die Geschichte finden. Das lag eben vor allem daran, dass die Autorin Situationen sehr schön beschreibt und viele wunderbare Bilder im Kopf entstehen. Dass man erst dreihundert Seiten lesen muss, bis man eine ungefähre Ahnung hatte, wie sich der Plot auflösen könnte, zeigt, wie genial die Autorin Spannungsbögen aufbauen kann.

Von der ersten Seite an war ich in genau diese geheimnisvolle Story verliebt. In dem Moment, in dem wir glauben ihre Figuren durchschaut zu haben, eröffnet Melanie Raabe uns ein neuen, überraschenden Plottwist. Und dann verliert man sich in den Zeilen und ist gespannt, wie die Geschichte ihren Lauf nimmt und welche unvorhersehbare Handlungen noch passieren. Die Protagonistinnen Nico und Ellen, die man ebenso nie ganz durchschauen kann, sind trotzdem direkt sympathisch. Ich konnte sehr leicht mitfühlen und habe gehofft, dass am Ende der Story alles gut wird. 

An diesem Buch mag ich, dass es anders ist und sehr rätselhaft. Eine gewisse Spannung und die wunderbar erzählte Verbindung der Charakter - # mit einem Hauch an Geheimnisse und Mystik -, machen das Buch zu etwas ganz Besonderem. Im Nachhinein verstehe ich, warum Melanie Raabe diesen Titel gewählt hat. Im Grunde auch super auf uns Leser*innen anzuwenden: Wenn auch du Lust hast, für ein paar Stunden aus dem Alltag abzutauchen und komplett zu verschwinden, dann ist das Buch genau das Richtige für dich!

"Die Kunst des Verschwindens" von Melanie Raabe ist eine Herzensempfehlung und bekommt von mir ★★★★★ Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

Hier geht's zum Buch. Bestellbar in allen bekannten Buchhandlungen und auf der Verlagswebseite.

21. März 2022

Rezension "Und keiner spricht darüber" von Patricia Lockwood

 Sie ist ein Online-Star. Sie reist um die Welt, um ihre begeisterten Fans zu treffen. Das sogenannte »Portal« ist ihr Medium: In diesem virtuellen Raum fügt sich eine Lawine von Bildern, Details und Referenzen zu einer unendlichen Landschaft zusammen, die Post-Sense, Post-Ironie, Post-Alles ist. Aber was passiert, wenn eine Tragödie in das echte Leben einbricht und alles verändert?

»Und keiner spricht darüber« ist ein Liebesbrief an Sprache und Literatur und gleichzeitig eine moderne Meditation über Liebe und die Kraft menschlicher Nähe.

Um was geht's?

Das "Portal" in "Und keiner spricht darüber" umfasst das wahre Leben komprimiert in Nachrichten, Videos und schönen Fotos. Durch einen ziemlich unsinnigen Tweet erlangte eine Frau eine gewisste Berühmtheit. Das Leben dieser jungen Frau dreht sich fast ausschließlich um diese Online-Plattform, weshalb sie ihr reales Leben vernachlässigt und so oft es geht in diese virtuelle Welt entflieht. Einladungen bekommt sie eine Menge, aber am liebsten ist sie im "Portal", ganz gemütlich und ungezwungen auf der Coach und in ihren eigenen vier Wänden. Doch dann geschieht etwas, was sie aus dieser digitalen Blase wachrüttelt und in die Realität zurückkatapultiert. Ab da bekommt die Handlung einen dramatischen Twist. Alles entwickelt sich in eine tragische und viel greifbarere Richtung. 

Patricia Lockwood trifft den Nerv der Zeit

"Und keiner spricht davon" muss man mögen. Denn der Stil ist speziell und die kurzen "Tweets" machen es nicht immer einfach, einen roten Faden zu sehen. Manchmal sagen sie viel aus und dann sind es wieder Nichtigkeiten, die sich aneinanderreihen. Aber das macht auch dieses Buch aus und irgendwie macht dieser Stil ja auch süchtig. Es ist nun mal wie im realen Leben, wenn man sich auf Twitter aufhält und Tweet für Tweet liest bzw. einfach nicht aufhören kann weiterzuscollen. Mit der Zeit gewöhnt man sich also an den Stil von Patricia Lockwood. 

Das Buch ist ein Appell an uns, dasss wir selbst in dieser Blase sind und uns immer wieder daran erinnern müssen, was wirklich zählt: Das wahre Leben! In dem Moment als die junge Frau schlagartig in die reale Welt gezerrt wird, sind die Texte schwerer zu lesen und greifbarer. Der zweite Teil hat deshalb nochmal einiges rausgerissen. Besonders mochte ich Lockwoods Metaphern und ihren lockeren Schreibstil. Auch wenn der Einstieg nicht ganz so leicht war, bin ich mir ganz sicher, dass das Buch mich noch eine ganze Weile zum Nachdenken anregen wird.

Wer sich also auf diesen Stil einlassen möchte, wird mit einer Geschichte belohnt, die den Nerv er Zeit trifft. Denn letzten Endes sind wir ja alle ziemlich gebunden an die digitale Welt und da tut ein Weckruf sehr gut.

"Und keiner spricht darüber" von Patricia Lockwood bekommt von mir ★★★ Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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18. Februar 2022

Rezension zu "Antirassistisch handeln" von Ibram X. Kendi

Mit seinem inspirierenden Arbeitsbuch gibt uns der amerikanische Bestsellerautor Ibram X. Kendi eine so ermutigende wie mitreißende Anleitung zum Handeln. Denn: »Es reicht nicht aus, kein Rassist zu sein, wir müssen Antirassisten sein«, wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier es auf den Punkt gebracht hat, indem er die zentrale Forderung von Ibram X. Kendi aufnahm. Das vorliegende Arbeitsbuch hilft dabei, unseren eigenen Rassismus zu verstehen, zu identifizieren und konkret dagegen anzugehen.

Ups. Und schon ist es passiert. Du bist jemandem auf den Schlips getreten. Welche Auswirkungen das wirklich für diese Person hat, wirst du wahrscheinlich nie erfahren. Auch wenn es nicht böse gemeint war und du ganz unbewusst jemanden verletzt hast, ist es wichtig sich damit auseinanderzusetzen. Denn Rassismus ist überall. Wir müssen nur hinschauen!

Wahrscheinlich würden die meisten Menschen sagen: "Rassismus? Nicht mit mir!" Aber bist du dir wirklich so sicher, dass du nicht doch mal unbewusst etwas rausgehauen hast, was rassistisch war. Es ist wichtig, nicht die Augen zu verschließen. Und genau deswegen braucht es so ein Buch wie "Antirassistisch handeln" von Ibram X. Kendi. Denn wir alle können davon nur lernen und uns im Hinblick auf Rassismus bessern.

Dieses Buch ist voller Fragen, die mich so richtig zum Nachdenken angeregt haben. Es braucht definitiv Zeit, sich damit auseinanderzusetzen. Denn natürlich bringt es viel Selbstreflexion mit sich. Mit einigen Fragen beschäftigt man sich nur kurz, mit anderen länger und intensiver. Durch die vielen Zitate aus dem Buch "How to be an Antiracist" und durch Begriffsdefinitionen und kleinen Anekdoten lenkt der Autor gekonnt zu bestimmten Themen. Immer wieder gibt es Hinweise und Anregungen zum Grübeln, sodass man sich auch direkt mit den Nebenthemen auseinandersetzt.

Das Buch kann ich nur wärmstens empfehlen. Denn wie bereits gesagt: Vor Rassismus sollte man nie die Augen verschließen und sich immer wieder mit der eigenen Haltung und den Handlungsmöglichkeiten auseinandersetzen. Das Buch ist die perfekte Einladung dafür.

"Antirassistisch handeln" von Ibram X. Kendi bekommt von mir ★★★★ Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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25. Dezember 2021

Rezension zu "Die Tiny Habits®-Methode: Kleine Schritte, große Wirkung" von Dr. BJ Fogg

Wäre es möglich, ein Buch zu schreiben, wenn man jeden Tag nur eine Minute lang daran schreibt? Kann man fitter werden, indem man zu Anfang nur eine Liegestütze am Tag macht?

Die Tiny-Habits-Methode funktioniert so: Such dir ein Verhalten aus, das du verändern möchtest, und mach es klein. So klein, dass es problemlos in deinen Tag passt. Und dann bringe es dazu, zu wachsen. Dr. BJ Fogg ist der Gründer des Behavior Design Lab an der Universität Stanford und entwickelte dort 2007 sein weltberühmtes Verhaltensmodell, das seitdem Millionen von Menschen zu einem besseren Leben verholfen hat. Jetzt hat er endlich ein Buch darüber geschrieben und erklärt darin seine Methode: Einfach, und in kleinen Schritten.

Gewohnheiten bestimmen unser Leben. Nur sind nicht mehr alle so hilfreich. Ungefähr 40% unserer täglichen Handlungen sind Gewohnheiten, die wir automatisch ausüben, ohne viel darüber nachzudenken oder abzuwägen. Fast jeder von uns möchte etwas an seinem Leben ändern, gesünder leben, sich wohlfühlen, etwas Sinnvolles tun. Gerade zur Weihnachtszeit und kurz vor Neujahr, denken wir bewusst über unsere Gewohnenheiten nach. 

Heute möchte ich die Tiny Habits® Methode von Dr. B.J. Fogg vorstellen, dem Gründer und Leiter des Behavior Design Labs an der Stanford University. J Fogg beschäftigt sich seit vielen Jahren mit menschlichem Verhalten und der Bildung von Gewohnheiten. Mit Hilfe seiner Methode hat er mittlerweile über 40.000 Personen gecoacht, aus wissenschaftlichem Interesse und dem tiefen Bedürfnis heraus, Menschen zu helfen, ein erfülltes und gesundes Leben zu führen. 2011 begann er seine Methode zu lehren und fasste schließlich seine Erkenntnisse über die Bildung und Änderung von Gewohnheiten in einem Buch zusammen.

Um unser Leben nachhaltig zu ändern, müssen wir vor allem unsere Verhalten und die Gewohnheiten ändern. Eine der Möglichkeiten nachhaltige Veränderung zu erzielen ist, seine Gewohnheiten und Verhaltensweisen in ganz kleinen oder winzigen Schritten zu ändern. Genau darum geht in der Tiny Habits® Methode. Zuerst müssen Sie sich über Ihre Wünsche und Intentionen im Klaren sein. Die Tiny Habits® Methode stellt dazu ein Werkzeug bereit, mit dem man strukturiert und methodisch konkrete Verhaltensweisen bzw. neue Gewohnheiten definieren kann. Jeder kleine Erfolg soll gebührend gefeiert werden. 

Tiny Habits ist sehr einfach und wirkungsvoll. Ich habe mir damit schon einige neue Gewohnheiten angeeignet und lästige Verhalten abgelegt. Tyny Habits ist eine wissenschaftlich fundierte Methode, die auch ohne Mindset Themen auskommt und schnell umzusetzen ist. Die Methode wird sehr leicht und verständlich erklärt, so dass der Leser direkt in die Umsetzung gehen kann. 

Das Buch kann ich euch nur wärmstens empfehlen. Eine klare Kaufempfehlung und ein perfektes Geschenk für die Lieblingsmenschen.

"Die Tiny Habits®-Methode: Kleine Schritte, große Wirkung" von Dr. BJ Fogg bekommt von mir ★★★★ Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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25. September 2021

Rezension zu "Wir Tiere: Eine neue Geschichte der Menschheit" von Melanie Challenger

Wir Menschen sind die neugierigsten, emotionalsten, einfallsreichsten, aggressivsten und gleichzeitig verwirrendsten Tiere auf dem Planeten. Doch wie gut kennen wir uns wirklich? Hadern wir mit unserer eigenen tierischen Natur und vernachlässigen damit einen zentralen Aspekt unseres Menschseins? Challengers revolutionäres Buch kombiniert neueste wissenschaftliche Erkenntnisse aus Natur- und Umweltgeschichte, Biologie und Philosophie, und führt uns thematisch von den frühen Agrargesellschaften über die Antike und die Moderne bis hinein in die nahe Zukunft der künstlichen Intelligenz.

"Wir Tiere. Eine neue Geschichte der Geschichte" hat mich sofort neugierig gemacht. Auch das Cover finde ich klasse. So ein bisschen eine Ahnung, um was es in diesem Buch geht, hatte ich also schon durch das Cover. Umso neugieriger hat mich dann auch er Klappentext und die zahlreichen positiven Worte dazu gemacht. Allerdings ist nichts so wie erwartet. Das Buch hat direkt meine Erwartungen übertroffen.

Menschliche Überlegenheit ist ein Irrtum

Das Buch konfrontiert uns mit unserem Verhalten und schärft unsere Gedanken, warum wir denn eigentlich nicht begreifen wollen, dass das Tier in uns steckt. Klar können wir uns darauf einigen, dass wir eine Sonderstellung annehmen. Dennoch kritisiert Melanie Challenger, dass wir seit Jahrhunderten so tun, als hätten wir nichts mit der Tierwelt zu tun. Laut ihr ist es immer schwerer zu rechtfertigen, dass wir uns so groß vom Tier unterscheiden. Denn das Tier sein verfolgt uns in allen Lebenslagen. Die Autorin spricht davon, dass das Verhältnis zu unserem Tiersein gestört ist. Das hat zur Folge, dass wir uns auch von der Natur abschotten. Die Autorin bezieht sich immer wieder auf bekannte Philosophen, zitiert aktuelle Untersuchungen und regt damit unheimlich zum Nachdenken an. Die Bedenkendie sie äußerst, kann ich sehr gut nachvollziehen. Diese vermittelt sie auch sehr einprägsam und verständlich. Dieses Buch beschäftigt sich intensiv mit uns Menschen und der Evolution. Schnell wird deutlich, dass die Autorin mit diesem Buch die Schönheit der Tierwelt neu zeigen möchte.

"Doch was immer wir tun, wir tun es als Tiere. Aber wir rechtfertigen es als Menschen" (S. 69)

Gerade wissenschaftliche Erkenntnisse fühlen den Graben, den wir zwischen uns und Tieren geschaffen haben, wieder auf. Wieso wehren wir uns also weiter? Bei einigen Sätzen der Autorin musste ich sehr schmunzeln. Manche Textstellen hatten auch etwas Provokantes. Das fand ich aber umso unterhaltsamer. Wortwörtlich habe ich gesagt: "Was für ein geiler Satz.". Schnell hat mich Melanie Challenger in den Bann gezogen.  Ergänzt wird dieses Buch durch Bilder, die die Themen auflockern. Besonders süß waren die Tierbilder. Die Autorin beschäftigt sich seit über einem Jahrzehnt mit diesem Thema und das ist definitiv spürbar. Ich habe schnell gemerkt, mit welch Passion sie dieses Thema dem Leser näher bringen möchte und dass es ihr ein extrem wichtiges Anliegen ist. "Wir Tiere: Eine neue Geschichte der Menschheit" war sehr erkenntnisreich. Ich habe einige Sätze herausgeschrieben und verinnerlicht. Dieses Buch ist eine wunderbare Erinnerung, wie schön doch die Tierwelt ist und dass wir endlich akzeptieren sollen, dass das Tier in uns steckt. Denn daran ist so gar nichts verwerflich. Ich kann nur wärmstens empfehlen, dieses Buch zu lesen und sich von diesem interessanten Thema selbst ein Bild zu machen. 

Das Buch bekommt von mir ★★★ Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btbVerlg für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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17. Juli 2021

Rezension zu "Flauschig" von Hanna Bervoets

Florence, Maisie, Stephan und Diek, alle sind mehr oder weniger unglücklich, im Grunde also ganz normal. Sie vermissen etwas, wissen jedoch nicht so genau, was, bis sie, jeder für sich, eines Tages auf einen kleinen flauschigen Ball stoßen: Fuzzie. Jeden Tag erzählt Fuzzie ihnen Geschichten, Geschichten über Liebe und Verlust, über Träume und Einsamkeit, Geschichten, in denen sich jeder wiederfindet. Sie hören ihrem kleinen Ball zu, sie tun, was er sagt. Sie lieben ihren kleinen flauschigen Ball, denn er kennt sie, ja, er scheint sie vollkommen zu verstehen, vielleicht sogar als Einziger …

Der Titel "Flauschig" hat mich sofort neugierig gemacht. Als ich den Klappentext las wusste ich, dass der btb Verlag mal wieder etwas Besonderes herausgebracht hat. Es geht im Grunde um verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und Lebenssituationen. Ein flauschiger Ball, der versteht und zuhört, tritt in unterschiedliche Leben. Vor allem schafft es dieser flauschige Ball, dass sich die Menschen ihm öffnen und Nähe zulassen. Ich hab sehr schnell ins Buch gefunden und mich direkt angesprochen gefühlt. Der Schreibstil ist sehr leicht und angenehm zu lesen. 

In vielen Zeilen habe ich mich wiedergefunden und inspiriert gefühlt. Die Charaktere thematisieren philosophische Fragen und regen stark zum Nachdenken an. Die Menschen brechen durch dieses flauschige Bällchen immer mehr ihre Distanz und erzählen offen von ihren Sorgen und Ängsten. 

Die Idee finde ich total außergewöhnlich, genial und innovativ. Im Laufe der Geschichte werden zahlreiche weitere Personen zum Besitzer der Bälle. Ich finde, dass dieses Buch auch gesellschaftlich relevanter denn je ist. Denn gerade in der heutigen Zeit spürt man in der Gesellschaft vermehrt Distanz. Das Buch ist sehr gefühlvoll und macht Lust auf mehr. Dieses wundervolle Buch kann ich also nur wärmstens empfehlen. 

"Flauschig" von Hanna Bervoets bekommt ★★★★ Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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14. Juli 2021

Rezension zu "Fancy Red" Von Caterina Bonvicini

»Fancy Red« ist ein Spiel mit Identität, Verwandlung und Bewegung. Fancy Red ist zugleich der Name des Diamanten, um den es in dem Roman geht – und eine Metapher für die Gegensätze, für die er steht: Reichtum und Armut, Glanz und Trübheit, Härte und Zerbrechlichkeit. Zwei Welten prallen aufeinander: die trostlose derer, die ihn betrachten, und die schillernde derer, die ihn besitzen. Wir folgen dem Diamanten durch die ganze Welt – jeder Ort und jede Stadt liefern dem Protagonisten Filippo ein neues Puzzleteil der Wahrheit, die er genauso verzweifelt zu finden versucht wie den Edelstein, der verschwunden ist, seit seine Frau Ludò eines Morgens ermordet neben ihm lag. Der Text ist aufgebaut wie ein Diamant, ein Oktaeder bestehend aus acht Dreiecken: acht Kapitel mit je drei Unterkapiteln. Mitreißend und kunstvoll wie ein Diamantschliff.


"Fancy Red" hat mich zunächst einmal wegen diesem außergewöhnlich coolen Buchcover angesprochen. Der Klappentext verstärkte nur noch mein Interesse, dieses Buch zu lesen. "Fancy Red" ist irgendwie besonders und einzigartig. Es ist in 6 Kapitel aufgeteilt. Also genauso viel Kapitel, wie ein Diamant Ecken hat. Jedes Kapitel ist wie ein Oktaeder aufgebaut (die acht dreieckigen Flächen werden zu acht dreigeteilten Kapiteln aufgeteilt). Das Buch ist sehr facettenreich. Je mehr Facetten Bonvicini aufzeigt, desto mehr wird man in die Geschichte gezogen.

Bevor ich das Buch in den Händen hielt, hatte ich nicht wirklich eine Ahnung, was mich erwartet. Aber das reizte mich umso mehr. Schon zu Beginn warf "Fancy Red" viele Fragen auf. Ich habe schnell ins Buch gefunden und war neugierig, was es mit dem Diamanten und mit Ludó auf sich hat.

„Dieser Edelstein hatte mich ausgewählt, so wie ich ihn“
"Fancy Red" von Caterina Bonvicini -

Diamanten sind für Filippo alles. Schließlich tritt Ludò in sein Leben tritt. Sie ist nicht nur die Tochter eines wohlhabenden Kunden, sondern auch ein ganz eigenwilliger Mensch. Auch trägt sie  einen „Fancy Vivid Red“ als Nasenpiercing – einen leuchtend roten unheimlich wertvollen Diamanten. Filippo und Ludò heiraten und reisen durch Europa. Doch ein Urlaub in Griechenland wird ihnen zum Verhängnis : Eine hübsche, junge Frau namens Isabel lädt sie an den Pool der Villa nebenan ein. Am nächsten Morgen ist Ludó tot, der „Fancy Red“ verschwunden, und Filippo kann sich an nichts erinnern. Um möglichen Konsequenzen zu entgehen, versenken die beiden zusammen Ludòs Leiche im Meer und gehen getrennte Wege. In Filippo keimt ein entsetzlicher Verdacht: Könnte er die Tat begangen haben? Und wer war Ludó wirklich?

Die Autorin schreibt über Urlaubserinnerungen und über eine sehr außergewöhnliche Beziehung. Jedenfalls empfinde ich diese Beziehung und ihre Dynamik ganz und gar nicht gewöhnlich. Manche Erinnerungen zogen sich sehr lange und erst gegen Ende hin klärt Bonvicini ihre Leser auf. Dieses Buch muss man definitiv erstmal auf sich wirken lassen. Denn die Geschichte fühlt sich sehr mysteriös an. Die Frage ob Filippo schuldig ist, ist gar nicht so einfach herauszufinden und nach dem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, haben sich defintiv noch Fragen aufgetan. 

Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und die Erzählung durchweg aus der Sicht von Filippo. Das Buch lässt sich sehr leicht lesen. Es spielt manchmal in der Vergangenheit und dann wieder in der Gegenwart. Ich finde, dass "Fancy Red" ein Roman ist, auf den man sich einlassen muss. Denn die Geschichte regt sehr zum Nachdenken an und ist vom Aufbau und Stil sehr ungewöhnlich. Aber wenn man sich darauf einlässt, hält "Fancy Red" so manch Überraschungen bereit und begeistert.

"Fancy Red" Von Caterina Bonvicini bekommt ★★★★ Sterne!

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20. Mai 2021

Rezension zu "Ideen um das Ende der Welt zu vertagen" von Ailton Krenak

Die Menschheit steht vor der globalen Katastrophe. Der brasilianische Umweltaktivist Ailton Krenak sieht den Grund dafür in unserer bisherigen Definition vom Menschen – als Krone der Schöpfung, die berechtigt ist, die Natur nach Belieben auszubeuten. Sein eindringlicher Appell: Um unseren kollektiven Marsch in den Abgrund zu stoppen, müssen wir uns neu orientieren, veraltete Denkmuster loslassen und einen Weg zurück zu unserem Ursprung finden. Dabei helfen uns die verschiedenen kulturellen Auslegungen vom Menschsein, die überall auf dem Planeten zu finden sind. Nur so können wir das Ende der Welt vertagen.

Als ich über das Buch "Ideen um das Ende der Welt zu vertagen" aufmerksam wurde, ist mir sofort dieser provokante Titel aufgefallen. Der Autor Ailton Krenak stammt aus Brasilien und ist einer der wichtigsten indigenen Philosophen Brasiliens. Er arbeitet mit einer Organisation zusammen, die sich für die Stärkung der Rechte der indigenen Völker einsetzt und macht sich zudem für Biosphärenreservate stark. Gleich zu Beginn spricht Krenak in einem systemkritischen Scharfsinn, warum es keine Menschheit mehr gebe. Der Titel "Ideen um das Ende der Welt zu vertagen" ist von einem Vortrag bzw. einer Tagung über nachhaltige Entwicklung und wurde spontan festgelegt. Krenak hatte ja keine Ahnung, dass sie diesen Titel ernstnehmen und ins Programm schreiben. Der Autor schreibt, dass wir endlich kapieren sollen, dass wir nicht die einzigen Wesen auf unserem Planeten sind und geht auf die Missstände und Ausbedeutung der indigenen Völker ein. Ganz besonders in Erinnerung geblieben sind mir auch die Zeilen über Mängel in der Gesellschaft und über schlaue Konzerne (Monsterkonzerne), die sich daran bereichern. Laut Krenak sind wir in einer Zeit, in der man darauf spezialisiert ist, Mangel zu schaffen.  Zunächst wirkt das Buch ein bisschen negativ und deprimierend. Jedoch schafft es Krenak immer wieder, die Kurve zu bekommen und einen optimitischen und positiven Blick in Richtung Zukunft zu hinterlassen.
 
Meine Erwartungen wurden mehrfach übertroffen
Krenaks Worte sind energisch, anregend, inspirierend und motivierend zugleich. Von seinem leichten Schreibstil war ich sofort begeistert. Denn innerhalb weniger Seiten war ich in diesem Thema drin und las gespannt Seite für Seite. Zu Anfang habe ich gedacht, dass es sich um ein typisches Buch zum Thema Umwelt, Missstände und Nachhaltigkeit handelt. Doch meine Erwartungen wurden mehrfach übertroffen. Krenak spricht davon, dass wir in einer Zeit leben, die man als Anthropozän verstehen kann und gibt einen Appell an seine Leser, dies als Alarmsignal zu bewerten. Ich habe sehr viele Anregungen und Impulse mitgenommen. Da ich ungern in Büchern Sätze markiere, habe ich mir dutzende inspirierene Worte herausgeschrieben. Ailton Krenak hat mich sehr inspirierend. Das Buch bringt einen großen Mehrwert und gibt spannende Denkanstöße.

"Ideen um das Ende der Welt zu vertagen" von  Ailton Krenak kann ich nur wärmstes empfehlen. Das Buch bekommt ★★★★ Sterne!

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12. Mai 2021

Rezension zu "Konstellationen" von Sinéad Gleeson

Wie kann man die Geschichte des eigenen Körpers erzählen, in Gesundheit, Krankheit, Mutterschaft? Wie kann man diese Geschichte als Frau erzählen, noch dazu als Frau in Irland? Mit diesen mutigen und starken Texten tut Sinéad Gleeson genau das. Das ganze Leben ist in diesem Buch: von der Geburt zur ersten Liebe, von Schwangerschaft zu Muttersein, bedrohlicher Krankheit, Alter und Tod. Sinéad Gleeson nimmt uns mit auf eine Reise, die zugleich sehr persönlich und zutiefst universell ist.

Der Klappentext von "Konstellationen" hat mich sofort gepackt. Deshalb habe ich mich auf diese sehr persönliche und intime Lesereise unheimlich gefreut. Sinéad Gleeson erzählt in einer sehr poetischen Sprache von den Herausforderungen als Frau. Sie gibt einen sehr intimen Einblick in Erinnerungen an körperliche Begegengungen und Ereignisse. Es wird von prägenden Lebensabschnitten erzählt, die Sinéad Gleeson zu der Frau gemacht haben, die sie heute ist. Die Autorin erzählt von sehr persönlichen, intimen Begegnungen mit ihrem Körper und von Krankheit. Gleeson schildert diese Lebenssituationen sehr unverblühmt und zieht einen damit sofort in den Bann. Sie nimmt uns dann mit auf eine Reise mit, in der sie viel Leid und Krankheit ertragen muss und ihr Alltag von Operationen und Physiotherapie geprägt ist. Ich bewundere zutiefst die Hartnäckigkeit und den Mut von Sinéad Gleeson.

Dein Körper muss gehört werden!

Schon auf den ersten Seiten habe ich gemerkt, dass dieses Buch etwas Besonderes ist. Gleeson's  poetischer Schreibstil hat mich sofort in den Bann gezogen. Begeistert hat mich auch die Tiefgründigkeit ihrer Erzählungen und Emotionen, die bis zu mir übergeschwappt sind. Gerade wenn es um das Thema Abtreibung und Krankheit geht, habe ich die Wut dahinter gespürt. "Konstellationen" liest sich sehr leicht und fesselt. Das Buch hat mich zum Nachdenken angeregt und emotional sehr berührt. Gleeson's Botschaft wird schnell deutlich: Unser Körper muss gehört werden!

 "Konstellationen" ist ein wundervolles Buch über körperliche Begegnungen und Weiblichkeit. Die Autorin plädiert dafür, sich nicht mit weiblichen Beschwerden abzufinden. Ich kann dieses großartige Werk nur wärmstens empfehlen und habe sehr viel mitgenommen. In "Konstellationen" geht es um Stärke, Überleben und einen unbeugsamen Willen. Es ist sehr aufschlussreiche und lebensbejahende Lektüre, die mir viele tolle Impulse gegeben hat. Sicherlich wird mir dieses Buch noch lange in Erinnerung bleiben. 

Konstellationen" von Sinéad Gleeson bekommt ★★★★★  Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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7. April 2021

Rezension zu "Botschaften an mich selbst" von Emilie Pine

Ein radikal aufrichtiges Debüt. Der Nummer-1-Bestseller aus Irland: Emilie Pine spricht wie niemand sonst darüber, was es heißt, im 21. Jahrhundert eine Frau zu sein. Es ist das Buch einer ganzen Generation. Ein Buch über Geburt und Tod, sexuelle Gewalt und Gewalt gegen sich selbst, weiblichen Schmerz, Trauer und Infertilität. Es ist ein Buch über den alkoholkranken Vater, über Tabus des weiblichen Körpers. Und es ist trotz allem ein Buch über Freude, Befriedigung und Glück – unbändig, mutig, und absolut außergewöhnlich erzählt.

Von Höhen und Tiefen, Erfolgen und Niederlagen
Emilie Pines Buch "Botschaften an mich selbst" erzählt  von sehr persönlichen Geschichten und einschneidenden Phasen des Lebens. Diese fasst sie in Form eines Essays zusammen und begeistert durch Tiefgründigkeit und ein Vertrauen, das sich schwer in Worte fassen lässt. Denn beim Lesen - und das passiert äußerst selten - habe ich mich ihr unheimlich verbunden gefühlt. 

Es geht um Themen wie Sexismus, sexueller Missbrauch, Vergewaltung, Einsamkeit, Armut, Unfruchtbarkeit, Kinderwunsch, Sorgne um die Gesundheit, Angst, Depression, Burn-out und so viel mehr. Auch wenn die Themen mit sehr viel Schmerz in Verbindung steht, hinterlässt sie nach jedem Kapitel Optimismus und macht Mut. Pine erzählt unverblühmt über das Leben als Frau. Auch gewährt sie dem Leser intime Einblicke in ihr Leben. Dami ist sehr viel Mut verbunden. Doch dieser hat sich definitiv gelohnt. Ich konnte mich in vielen prägenden Erfahrungen wieder finden oder mich mit der Situation identifizieren. Die Geschichten bleiben im Gedächtnis. Ich bin mir sehr sicher, dass ich das Buch nicht so schnell vergessen werde und werde es defintiv auch Freunden empfehlen.

Berührende und starke Botschaften
Dieses Essay wird einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nicht zuletzt liegt es auch an Pines Schreibstil. Trotz schwerer Themen bleibt ihr Stil leicht. Ab und an war es der erfrischend humorvolle Unterton, der für die nötige Auflockerung sorgte.

Meine zusammenfassende Bewertung
Emilie Pines hat es geschafft, Ängste und Niederlagen zu verarbeiten und aus ihnen Stärke zu schöpfen. Mit einem beeindruckenden Mut stellt sie sich der Vergangenheit sowie der Gegenwart. Pines Buch hat mich emotional sehr gerüht und mich zum Nachdenken gebracht. Das Buch hatte eine große Wirkung, der ich mir zu Anfang gar nicht so bewusst war. Es ist ein wunderolles, ergreifendes Bekenntnis zur Liebe und zum Leben. Aber vor allem zu uns selbst. Lass dich niemals unterkriegen und steh immer wieder auf. Sie ermutigt zur Selbstreflexion, Bewusstheit und Achtsamkeit. Ich bin sehr dankbar, dass dieses Buch zu mir gefunden hat. 

"Botschaften an mich selbst" von Emilie Pine ist definitiv eine Herzensempfehlung. Es ist April. Doch für mich ist "Botschaften an mich selbst" bereits ein Highlight 2021. Das Buch bekommt ★★★★★  Sterne!

Herzlichen Dank an das Bloggerportal Penguin Random House Verlagsgruppe und an den btb Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars! Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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