Ein plötzlicher Todesfall, Joanne K. Rowling

Freitag, Oktober 19, 2012

Laut Wikipedia gehört ihr neuer Erwachsenenroman "Ein plötzlicher Todesfall" ("The Casual Vacancy") in die Top 15 der am schnellsten verkauften Bücher in der Woche nach Erscheinung (in diesem Fall: 27. September 2012) weltweit, und auch ich gehörte zu diesen Käufern, die am Erscheinungstag die Buchhandlung stürmte. Im Folgenden möchte ich meine Meinung zu Rowlings erstem Werk abseits ihrer berühmten Fantasy-Romane erzählen. Jetzt zur Handlung von "Ein plötzlicher Todesfall", dessen Cover leider überhaupt nicht geschmackvoll ist:

Gemeinderatsmitglied Barry Fairbrother stirbt am Anfang des Buches sehr plötzlich und somit entsteht nicht nur im Städtchen Pagford, wo die Geschichte spielt, eine Lücke, sondern auch im Gemeinderat selbst. Die Bürger der Stadt, die man im Laufe der Geschichte näher kennenlernt, kämpfen daraufhin um die freigewordene Stelle, bis die Situation schlussendlich komplett eskaliert und einige Opfer mit sich bringt. Ein Krieg entsteht, und das nicht nur in Pagford selbst - ein Krieg zwischen Arm und Reich, ein Krieg zwischen Ehemännern und Ehefrauen und ein Krieg zwischen Eltern und ihren Kindern.

Anfangs wirkt das Buch durcheinander und man wird quasi ins Geschehen hineingeworfen. Es werden Geschichten von so vielen Personen erzählt, dass man sich kaum zurechtfinden kann und mir persönlich war bis zur Hälfte des Buches (in der englischen Version sind es 503 Seiten) immer noch nicht komplett klar, inwiefern welche Charaktere miteinander verwandt sind und in welcher Beziehung sie zueinander stehen. Auch aus wessen Sicht gerade erzählt wird, wechselt oft mit den Absätzen und man muss beim Lesen sehr aufpassen, dass man nicht durcheinanderkommt. Ich persönlich fand vor allem am Anfang den ständigen Wechsel zwischen den gefühlten fünfzehn Hauptcharakteren sehr störend und hatte bis weit über die Hälfte des Buches niemanden gefunden, mit dem ich mich beim Lesen halbwegs identifizieren konnte, da man das Gefühl hatte, dass jede individuelle Geschichte nur angerissen, aber nicht ausführlich erzählt wurde. An anderen Stellen war das Buch allerdings zu ausführlich (vor allem Gedankengänge, was ja noch aus Harry Potter bekannt ist), was ehrlich gesagt schon fast ein wenig langweilig wurde. Trotz allem finde ich aber vor allem das Ende, als aufgeklärt wird, wie die Geschichte aufgebaut ist und man den Zusammenhang zwischen den Charakteren erkennt, sehr gelungen und logisch.

"Ein plötzlicher Todesfall" ist definitiv, wie auch angesagt, etwas ganz anderes als Harry Potter. Es ist ein Erwachsenenroman und an manchen Stellen spürt man förmlich das Verlangen der Autorin, aus dem Kinderbuchklischee herauszukommen - Beschimpfungen und viele vulgäre Szenen machen aus "Ein plötzlicher Todesfall" zumindest kein Kinderbuch.

Für alle anderen, die wie ich an den vielen Charakteren fast verzweifelt sind, empfehle ich folgenden Link, der eine Charakterliste mit Beschreibungen zusammengestellt hat.

Ansonsten wünsche ich viel Spaß beim Lesen und freue mich auf weitere Meinungen.

Bildquelle: © Carlsen Verlag

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2 Kommentare

  1. Hey,
    vielen, vielen Dank für die Rezension. Eigentlich hatte ich vor, das Buch auf jeden Fall zu lesen. Dieser Entschluss wurde bei der Frankfurter Buchmesse, als ich bei der Lesung von Christian Berkel war, zwar bestätigt, aber es taten sich schon kleine Zweifel auf, weil ich schon nach kurzen Passagen das Gefühl hatte, den Überblick zu verlieren.
    Jetzt habe ich aber wieder Lust bekommen und werde mir das Buch auf jeden Fall zu Weihnachten wünschen.

    liebe Grüße eure Emma

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    1. Sehr gerne! Dann wünschen wir dir wundervolle Lesestunden mit diesem Buch! Herzliche Grüße, Larissa

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